Friedrich Merz versus Alfred Herrhausen
Friedrich Merz versus Alfred Herrhausen
Wir müssen sagen, was wir denken, müssen tun, was wir sagen, und müssen sein, was wir tun.
Alfred Herrhausen
Mordanschlag am 30. November 1989 in Homburg.
Das Ziel ist der 59-jährige Alfred Herrhausen. Eineinhalb Jahre vor dem Attentat wird er 1988 alleiniger Vorstandssprecher der Deutschen Bank AG. Damit war er der Chef der größten privaten Geschäftsbank der Bundesrepublik, der viertgrößten Bank Europas und der neuntgrößten Bank der Welt.
Die Vorstandsmitglieder der Deutschen Bank sitzen als Aufsichtsratsvorsitzende oder Aufsichtsratsmitglieder in den großen Unternehmen dieser Republik. Dadurch und durch die Kreditvergaben und Beteiligungen an nationalen und internationalen Unternehmen kontrolliert die Deutsche Bank Teile der deutschen und der europäischen Wirtschaft.
Alfred Herrhausen selbst besaß neun Aufsichtsratsmandate. Unter anderem war er Aufsichtsratsvorsitzender bei Daimler Benz. Er managte die Fusion des Rüstungsbetriebes Messerschmidt Bölkow Blohm MBB mit Daimler Benz. Herrhausen kaufte die „Banca d’America e d’Italia“ in Italien und die ,Banco Comercial Transatlantico“ in Spanien. Er gründete Auslandsstützpunkte in Frankreich, England, Japan und in den USA. Unter seiner Führung expandierte die Deutsche Bank wie nie zuvor. Im Inland, in Europa und außereuropäisch.
Alfred Herrhausen setzte sich für einen teilweisen Schuldenerlass für die Länder der Dritten Welt ein. Darüber wollte er bei einer anstehenden Konferenz in New York reden. Die Deutsche Bank war durch Rücklagen zu 77 Prozent für einen solchen Schuldenerlass abgesichert. Nicht aber die US-Banken. Für einige hätte schon ein geringerer Erlass den Ruin bedeutet. Dazu kommt noch, dass dann bestimmte Kreise sich an den Schulden und den Ressourcen der Dritten Welt nicht mehr bereichern konnten, und auch heute nicht mehr bereichern könnten.
Nach dem Zusammenbruch des Ostblocks wollte Herrhausen in Warschau eine „Europäische Entwicklungsbank“ gründen. Eine Kreditanstalt für den osteuropäischen Wiederaufbau, bei der natürlich die Deutsche Bank und damit die Bundesrepublik die Geschäftspolitik bestimmt.
Sein letzter großer Coup: Am 27. November 1989, drei Tage vor seiner Ermordung, kauft Herrhausen für 2,7 Mrd. Mark die britische Investmentbank Morgan Grenfell London. Damit steigt er in das internationale Investmentgeschäft ein. Ein Revier, indem bisher nur die japanischen und die US-Banken ihre Geschäfte machten. Der Eindringling Herrhausen und seine Deutsche Bank werden für sie ein gefährlicher Konkurrent.
Alfred Herrhausens Wirken zeugt von Größe. Seine Absichten, vor allem der teilweise Schuldenerlass für die Länder der Dritten Welt, waren sicher ein Motiv zu seiner Ermordung. Er war manchen bestimmenden Gruppen der Welt im Wege. Seine Ermordung wurde nie gänzlich aufgeklärt, es wurden keine Täter ermittelt. Die Kompliziertheit des Anschlages, die technischen Mittel und der Ablauf deuten auf Profis hin. Die Mitglieder der verdächtigten RAF waren in dieser Hinsicht keine Profis. Für mich sind solche Profis Geheimdienste oder angeworbene Killer. Anders kann man ein solches Vorgehen nicht bezeichnen.
Alfred Herrhausen hatte die Qualitäten für einen Bundeskanzler der Bundesreplik Deutschland. Unter seiner Führung als Bundeskanzler wäre auch die Wiedervereinigung anders, positiv verlaufen. Es wäre eine Wiedervereinigung geworden, keine Übernahme. Der Mordanschlag am 30. November 1989 setzte seinem zukünftigen Werdegang ein Ende.
Somit hatten/haben wir Bundeskanzler, die diese Qualitäten nicht hatten/haben und auch nicht erreichen werden. Hier zitiere ich vereinfacht den amerikanischen Soziologen Laurence J. Peter: „Der Mensch steigt in seiner Hierarchie so lange auf, bis er die Stufe seiner Inkompetenz erreicht hat.“