Mark Rutte – leseschwach?

Die Bildung kommt nicht vom Lesen, sondern vom Nachdenken über das Gelesene
Carl Hilty, Schweizer Staatsrechtler

Putin forderte die NATO auf, ihre eigenen Strategiedokumente zu lesen
20. Dezember 2025    Moskau

In seiner jährlichen Pressekonferenz zum Jahresende hat der russische Präsident Wladimir Putin den NATO-Chef Mark Rutte in seine Schranken verwiesen, nachdem dieser kriegerische Äußerungen über die Vorbereitung auf einen Krieg mit Russland gemacht hatte. „Was diese aggressiven Äußerungen angeht – wissen Sie, ich sehe sie mir an und bin auch überrascht“, sagte Putin. „Ich kenne zum Beispiel den derzeitigen NATO-Generalsekretär, Herrn Rutte, persönlich. Er ist der ehemalige Ministerpräsident der Niederlande. Ich habe das Land einmal besucht und mit ihm gesprochen. Er ist ein intelligenter Mann und war ein kompetenter, strategisch denkender und effizienter Ministerpräsident. Die niederländische Wirtschaft ist in guter Verfassung, was zum Teil seinen Bemühungen zu verdanken ist. Und was für einen Unsinn redet er jetzt? Ich möchte ihn nur fragen: Was sagen Sie da über einen Krieg mit Russland? ,Wir müssen uns auf einen Krieg mit Russland vorbereiten‘.“

Putin weiter: „Sie wollen sich auf einen Krieg mit Russland vorbereiten. Aber können Sie überhaupt lesen? Lesen Sie einfach die neue Nationale Sicherheitsstrategie der USA. Darin heißt es, dass die Vereinigten Staaten – ich betone – der Hauptakteur in der NATO sind. Die Vereinigten Staaten haben die NATO gegründet und sind ihr Hauptsponsor. Alle wichtigen Ressourcen wie Finanzmittel, Militärtechnologie, Waffen und Munition kommen aus den USA. Das ist das Fundament des Bündnisses.
Und dennoch wird Russland in der neuen Nationalen Sicherheitsstrategie nicht als Feind oder Ziel genannt. Trotzdem bereitet sich der NATO-Generalsekretär auf einen Krieg mit uns vor. Wie soll das Sinn ergeben? Können Sie überhaupt lesen? Wie kann die NATO einen Krieg mit Russland anstreben, wenn die führende Macht des Bündnisses uns nicht als Gegner oder Feind betrachtet?“

Mit diesen Aussagen gesellt sich Mark Rutte zum Kreis der „Kriegswilligen“. Eulenspiegel hat hier schon über „Die drei blinden Mäuse“ geschrieben. Wenn Eulenspiegel die Aussagen von Mark Rutte hier liest, kann es wohl sein, dass Eulenspiegel einen neuen Beitrag über „Die vier blinden Mäuse“ schreibt.

Mark Rutte – Krieg!

Das große Karthago führte drei Kriege. Nach dem ersten war es noch mächtig. Nach dem zweiten war es noch bewohnbar. Nach dem dritten war es nicht mehr zu finden
Bertold Brecht

Am Mittwoch, dem 15. Oktober 2025, haben in Brüssel Treffen der Verteidigungsminister von EU- und NATO-Mitgliedstaaten stattgefunden. Dort gab der NATO-Generalsekretär eine Pressekonferenz. Mark Rutte erklärte, man sollte Russland nicht zu ernst nehmen. „Unser Militär ist dem russischen haushoch überlegen““. Die NATO-Wirtschaftsleistung sei um ein Vielfaches größer, und das russische Militär sei schlecht ausgerüstet und unzureichend trainiert (1).

Am Donnerstag, dem 11. Dezember, war Mark Rutte in Berlin, um sich mit Bundeskanzler Friedrich Merz über den Ukrainekrieg abzustimmen.
Dort sagte Mark Rutte wörtlich: „Heute ist Präsident Putin wieder dabei, ein Imperium aufzubauen. Wir müssen bereit sein, denn am Ende dieses ersten Vierteljahrhundert sind Konflikte nicht mehr weit entfernt. Der Konflikt steht vor unserer Haustür. Russland hat den Krieg nach Europa zurückgebracht und wir müssen auf ein Kriegsszenario vorbereitet sein, wie es unsere Großeltern und Urgroßeltern erlebt haben. Stellen sie sich vor. Ein Konflikt, der jedes Zuhause, jeden Arbeitsplatz erreicht. Zerstörung, Massenmobilisierung, Millionen von Vertriebenen, weitreichendes Leid und extreme Verluste. Das ist ein schrecklicher Gedanke, aber wenn wir unsere Verpflichtungen einhalten, können wir diese Tragödie verhindern. Die NATO ist da, um eine Milliarde Menschen auf beiden Seiten des Atlantiks zu schützen“.

Dies sagt ein NATO-Generalsekretär, ein ehemaliger niederländische Ministerpräsident, der uns Menschen in Deutschland und ganz Europa einreden will, dass Russland uns unterjochen will. Ein Politiker, der uns einreden will, dass Russland sein „Imperium“ erweitern will, dass die NATO den Armeen Russlands haushoch überlegen ist. Ein Politiker, der den Interessen dient, die die NATO-Ostererweiterung vorangetrieben haben. Ein Politiker, der diesen Interessen dient und deshalb auch dieses Amt mit der Unterstützung Deutschlands erhalten hat. Er dient weiter denen, die nun erleben müssen, dass der Krieg in der Ukraine, den sie selbst angezettelt haben, verloren ist. Ein Politiker, der nun erleben muss, das man mit dem Krieg in der Ukraine Russland nicht erobern und aufteilen kann. Ein Politiker, der nun erleben muss, dass der US-Präsident eine neue Nationale Sicherheitsstrategie veröffentlicht hat. Ein Politiker, der nun feststellen muss, dass die US-Sicherheits-Interessen nicht mehr auf Europa und auf Russland ausgerichtet sind. Ein Politiker, er mit seinem Amt für die USA überflüssig geworden ist. Ein Politiker, der nicht verstanden hat, dass die Interessen der USA mit Russland für die Zukunft auf eine wirtschaftliche Basis ausgerichtet sind. Ein Politiker, der nicht verstanden hat, oder nicht verstehen will, dass das Ende des Ukrainekrieges auch das Ende der NATO und das Ende der Europäischen Union in der heutigen Form bewirkt. Nicht sofort, aber ganz bestimmt. Ein Politiker, der von einigen europäischen Politikern und Staatsmänner hofiert und benutzt wird. Ein Politiker, der nicht verstehen will, dass er danach nicht mehr gebraucht wird. Ein Politiker, der scheinbar nicht weiß, dass zwischen den USA und Europa ein großer Teich, genannt Atlantik, sich ohne Brücke ausbreitet. Warum versteht dieser Mann dies nicht? Oder er ist kein Politiker, sondern ein Mann, der immer nur anderen Interessen dient und damit nur Unheil über uns Menschen bringt. Ein Mann, der sich bewusst ist, dass er sich mit all diesen Narrativen unglaubwürdig macht. Nach dem Motto: Nach mir die Sintflut?

1  Mark Rutte am 15. Oktober 2025    https://www.youtube.com/watch?v=gXXnQEH5JrQ

Servus NATO, servus EU

„Krieg ist ein Ort, an dem junge Menschen, die sich nicht kennen und sich nicht hassen, sich gegenseitig töten, basierend auf Entscheidungen alter Menschen, die sich kennen und sich hassen, sich aber nicht gegenseitig töten… „
Paul Valéry

Mit der Ukraine und Georgien sollte die NATO-Osterweiterung vorläufig abgeschlossen werden. Mit dem Eintritt in die Europäische Union war auch der Eintritt in die NATO programmiert. Mit dieser Erweiterung sollte der Druck auf die Russische Föderation erhöht werden, und das weit vor 2014.

Diese Erweiterung der NATO und der EU ist nun nicht nur in weite Ferne gerückt, sondern auch beendet. Der Krieg in der Ukraine ist für den Westen verloren. Die gewählte Regierung in Georgien hat sich, trotz massiver Einflussnahme der EU und Deutschlands, dagegen entschieden (1).

Mit der Verabschiedung der neuen Nationalen Sicherheitsstrategie der Vereinigten Staaten von Amerika im November 2025, hat der Präsident der USA Donald Trump Amerika an Erste Stelle gestellt. Mit dieser geänderten Monroe-Doktrin ist Europa an Zweite, oder sogar an Dritte Stelle gesetzt. Die USA haben erkannt, dass der Krieg in der Ukraine gegen Russland nicht zu gewinnen ist. Donald Trump hat sich mit dem Präsidenten der Russischen Föderation Wladimir Putin vor dem Alaska-Treffen, bei dem Treffen und in den darauffolgenden Telefongesprächen verständigt.

Wladimir Putin hat Donald Trump seine Ziele erklärt: Entmilitarisierung und Entnazifizierung der Ukraine. Diese Ziele dienen dem Schutz der Gebiete, die seit dem Maidan-Putsch 2014 Angriffziele waren und mit den Referenden seit 2022 zur Russischen Föderation gehören: Der Donbass, also Lugansk und Donezk, Saporoschje und Cherson. Die Krim ist seit dem Referendum 2014 Teil der Russischen Föderation. Nachdem im März 2022 die Ukraine die in Istanbul ausgehandelten Friedenspapiere nicht ratifiziert hat, ging der bereits 2014 von der Ukraine begonne Krieg weiter. Nun geht es nicht nur um die genannten Gebiete, sondern auch um Charkow, Dnipro, Nikolajew und Odessa. Odessa auch deshalb, um zu verhindern, dass wie in der vergangen Monaten und Jahren, Waffen in großen Mengen weiter in die Ukraine gelangen. Damit ist dann auch eine ausreichend große Pufferzone erreicht.

Der amerikanische Präsident hat erkannt, dass er den russischen Präsidenten von diesen Zielen nicht abbringen kann, weder mit Argumenten, noch mit Androhung von Sanktionen oder militärischen Mitteln. Donald Trump musste verstehen, dass das Erreichen der von Wladimir Putin definierten Ziele für die Sicherheit und die Souveränität der Russischen Föderation lebensnotwendig sind. Die Eliten der EU und der NATO haben dazu eine andere Meinung. Sie wollen den Krieg in der Ukraine immer noch fortsetzen und auch gewinnen.

Donald Trump denkt auch an eine Ukraine danach. Er weiß, dass er von Russland nicht nur Uran für seine AKW weiter bekommen kann, sondern auch andere Rohstoffe. Diese Rohstoffe haben die USA in der Vergangenheit im Schlaf verfolgt. Die USA mussten einsehen, dass diese Rohstoffe nicht im Kampf zu erreichen sind. Es bleibt nur der friedliche Weg mit Handelsabkommen und US-amerikanischer Investoren. Investoren sind in Russland zu russischen Bedingungen willkommen. Wenn es für Donald Trump doch im Hintergrund um die alten Gründe, Beherrschung Russlands, gehen sollte, dann ist der Deep State hinter Trump, sehr schlecht beraten. Dieses Ziel ist nicht erreichbar für die USA oder der EU.

Den Europäern, ihren Eliten, ist diese Denkweise völlig fremd. Die NATO, allen voran der Generalsekretär Mark Rutte, predigt den Krieg von allen Kanzeln. Bei den europäischen Staatsmännern gehen Friedrich Merz, Emmanuel Macron und Keir Starmer voran. Sie wollen den Krieg in der Ukraine fortführen. Ich denke dabei an die drei blinden Mäuse, ein altes englisches Kinderlied. Ihre Kinder werden in der Ukraine nicht sterben. Europa lässt die Ukraine bis zum letzten wehrfähigen Ukrainer verbluten und sterben. Die ukrainischen Männer, die deshalb sterben werden, sind für die Ukraine, für die Zukunft der Ukraine verloren.

Haben Europas Eliten zu lange unter der Atlantik-Brücke geschlafen? Europa verzichtet endgültig in 2027 auf die letzten Lieferungen von Öl, LNG und Erdgas aus Russland. Europa kann nur dann gerettet werden, wenn die derzeitigen Eliten nicht mehr das Sagen haben. Dies wird bald der Fall sein. Europa stagniert, befindet sich im freien Fall. Europa wird sich erst dann wieder erholen, wenn die Konkurrenzfähigkeit mit ausreichender Energie, zu Preisen vor dem Ukraine-Konflikt, gesichert ist.

Die Europäer sind dabei aufzuwachen und sich mit zukünftigen Wahlen von den derzeitigen Eliten zu trennen. Dies wird nicht einfach sein. Die vergangenen und derzeitigen Eliten halten sich für die Neue Bürgerschaft. Sie klammern sich an ihre Ideologien wie an eine Religion, wie die Verhaltensweise des früheren Klerus (2).

1   Nach den Wahlen in Georgien im November 2024, haben Parlamentarier aus 8 EU-Ländern sich an den Demonstrationen gegen die gewählte Regierung beteiligt. Aus Deutschland war Michael Roth,der damalige SPD-Abgeordnete und Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses dabei. Er hat sich als Redner gegen die frei gewählte Regierung hervorgetan. Dieses ist der Link zu diesem Video:
https://www.youtube.com/watch?v=zwkAmQEGptE
2  Helmut Schelsky hat dies bereits 1974 in seinem Buch „Die Arbeit tun die anderen – Klassenkampf und Priesterschaft der Intellektuellen“ – beschrieben.